Im Wintersemester 1998/99 begründete Prof. Dr. Bernd B. Schmidt am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Jena die Forschungsgruppe „Bildkommunikation“. Die dort ausgegebenen Themen zur Grundlagen-Forschung zum Thema „Bild“ bzw. „Bildkommunikation“ im Bereich Kita/Vorschule/Schule sollten einen Beitrag zur Aufdeckung von Ursachen und Wirkungen personaler „Bild-Störungen“ bzw. „Verhaltensauffälligkeiten“ bei Kindern und Jugendlichen sowie deren Bearbeitung und Regulation leisten.

Um dies zu gewährleisten, wurden die Forschungs-Untersuchungen generell in konkreten Kinder- bzw. Jugendeinrichtungen durchgeführt, die es ermöglichten, Kinder und Jugendliche gemeinsam vergleichend in ihrem personalen Verhalten in differenten Milieus mittels „Bild-Kommunikations-Prozess-Entwicklung“ zu beobachten.

Roman Auchter war Gründungsmitglied der Forschungsgruppe „Bildkommunikation“ und von 1998 – 2010 als Forschungsassistent von Prof. Schmidt in folgenden Projekten tätig:

„KinderBilder-BilderKinder“¹ (1998 – 2002)

Für die Studie „KinderBilder-BilderKinder“ konnte die Forschungsgruppe die Kindertagesstätte „Knirpsenland“ in Rudolstadt als Partner gewinnen.
Hauptanliegen der Untersuchung war, herauszufinden, ab wann und in welcher Weise Kinder mediale Ereignisse, die sie vorab oder unmittelbar wahrnahmen, in das eigene Bildvergleichsgeschehen aufnehmen.²
Die Studie zeigte, dass die Darstellungsformen in der Mehrheit der Kinder-Bilder archetypisch formuliert waren – und nur vereinzelt mediale Symbole darin deutlich wurden! Das heißt, die Inhalte der Bilder stehen im Zusammenhang mit der eigenen Vergangenheitsbewältigung und stellen eine kompetente kindgemäße „Selbst-Regulation“ dar.

„Filmvergleich – Vergleichsfilm“³ (1999 – 2003)

Nach der besonderen Ergebnislage von „KinderBilder-BilderKinder“ wurde mit „Filmvergleich-Vergleichsfilm“ eine weitere Forschungslinie etabliert, deren Hauptziel die „Entmystifizierung“ des technischen Films mittels Video-Selbstproduktion war.
Ein grundsätzliches Ergebnis der Analyse ist, dass die „Filmungen“ der Kinder generell von biografisch-erworbenen, archetypisch-vererbten und bildmedieninhärenten Struktureigenschaften geführt werden, welche im unmittelbaren Vergleich garantieren, dass die entsprechende Person Konfliktortung und Konfliktregulierung sicher anvisieren kann.

„Englisch im Bild“ (2001 – 2004)

Besonderer Ausgangspunkt für „Englisch im Bild“ war das seit den 1990er-Jahren in der Schulpädagogik vorherrschende „Wort-Sprache-Verweigerungsverhalten“. Die Studie wurde am Adolf-Reichwein-Gymnasium in Jena durchgeführt.
Ziel des Projektes war es, die o.g. Verweigerungshaltung aus der Entwicklung sozialer Wahrnehmungsprozesse heraus zu verstehen, um der klassischen Lernmethode eine auf „Bildkommunikation“ basierende Methode gegenüber zu stellen!
Die Studie brachte insbesondere hervor, dass Bilder und Worte mit tatsächlichem Bezug zu den Lebenswelten der Jugendlichen im Gedächtnis nachhaltiger gespeichert werden als etwa politisch-korrekte, meist unzeitgemäße Lehrbuch-Texte und -Bilder, zu denen die meisten Jugendlichen wenig oder überhaupt keinen Bezug haben!

„Amoklauf- und Gewaltprävention“ (2003 – 2005)

In der Folge des Amoklaufs des Erfurter Schülers Robert Steinhäuser wurde im Sommersemester 2003 das Forschungsprojekt „Amoklauf- und Gewaltprävention“ am Carl-Zeiss-Gymnasium Jena aufgenommen. Ziel der Studie war es, gemeinsam mit den am Projekt beteiligten Jugendlichen einen wirkungsvollen Katalog zur Amoklauf- und Gewalt-Prävention von Kindern und Jugendlichen zu erarbeiten.
Die Studie zeigte u.a., dass das Konsumieren von Computerspielen mit Gewalt-Inhalt an sich NICHT reales Gewalt-Verhalten verursacht! Vielmehr müssen bestimmte biografisch-erworbene Verhaltens-Motive in einer Person vorliegen, die Gewalt-Verhalten (bis zum Amok) begünstigen!

„Frühpädagogik in der Simulationsgesellschaft“ (seit 2005)

Im Sommersemester 2005 wurde in zwei Jenaer Kindertageseinrichtungen das Projekt „Frühpädagogik in der Simulationsgesellschaft“ eröffnet. Ziel der Studie war die Entwicklung eines allgemeinen „Kita-Bedingungs-Kataloges“, der darüber Aufschluss geben sollte, welche Bedingungen Kindern für ihre optimale Gedächtnisentwicklung zur Verfügung gestellt werden müssten.
Nach einer Zwischenbilanz der Studie 2007 konnte festgestellt werden, dass eine nicht unwesentliche „Inkompatibilität“ zwischen dem vorgegebenen „Sozialen Rahmen“ (Erwartungen der Sozietät an die Kinder) und den neurophysiologischen Bedürfnissen und Notwendigkeiten der Kinder vorliegt!
Aus diesem Grunde sind Prof. Dr. Bernd B. Schmidt und Roman Auchter im Rahmen von Forschung bis heute zu diesem Thema aktiv tätig.

 

 


¹ vgl. Schmidt, Bernd B.: „Auswertung zu KinderBilder – BilderKinder“, in: „Kinder-Medien-Verhalten“. Kita-Projekt der Forschungsgruppe „Bildkommunikation“. Jena, 2005, S.54-62
² vgl. Schmidt, Bernd B.: „Arbeitsstudie zu Methoden der Bild- und Filmanalyse“, in: „Kinder-Medien-Verhalten“. Kita-Projekt der Forschungsgruppe „Bildkommunikation“. Jena, 2005, S.13-23
³ vgl. Schmidt, Bernd B.: „Auswertung zu Filmvergleich – Vergleichsfilm“, in: „Kinder-Medien-Verhalten“. Kita-Projekt der Forschungsgruppe „Bildkommunikation“. Jena, 2005, S.62-69
⁴ vgl. Auchter, Roman: „Alle Macht den Bild-Medien? Bildkommunikation von Kindern und Jugendlichen“, in: Merz (Medien und Erziehung), Zeitschrift für Medienpädagogik, 48. Jg., Heft 4, München 2004, S. 59
⁵ vgl.: Auchter, Roman: „Ein Forschungsprojekt zum Amoklauf und zur Gewaltprävention“, in: Forschungsbericht der Fachhochschule Jena. Jena 2004, S.62
⁶ vgl.: Auchter, Roman: „Frühpädagogik in der Simulationsgesellschaft“, in: Forschungsbericht 2005 der Fachhochschule Jena. Jena 2005

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